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Jul 17 2019

Nachruf auf eine treue Hundeseele – unsere Kessy

Nachruf auf eine treue Hundeseele – unsere Kessy    

(*31.10.2003 , +25.06.2019)

Es war im Frühjahr 2004, mein Mann, unsere 1 ½-jährige Tochter Lisa und ich wohnten in Koblenz und hatten ein halbes Jahr vorher unseren Vorgängerhund „Ondrac“ über die Regenbogenbrücke gehen lassen, da las ich eine Anzeige des Tierheims Andernach, das neue Hundewelpen aus Italien eingetroffen seien.

So machten wir uns an einem Freitagnachmittag auf den Weg. Das Tierheim in Andernach war voller Menschen. Alle hatten wohl diese Anzeige gelesen. Wir kamen kaum durch zu den Zwingern, in denen die Hunde waren. Und da sah ich SIE! Zierlich, gefleckt, mit zwei Knickohren, jaulend und winselnd in einem Zwinger, in dem noch andere Hunde waren, die vom Körperbau ähnlich aussahen wie sie. Aber sie war eindeutig die Schönste und die Süßeste von Allen! Ich dachte sofort: Der Hund ist es! Der Hund oder keiner! Sie begrüßte uns freudig, auch meine kleine Tochter schien nur sie zu sehen. Die anderen Hunde in dem Zwinger interessierten sich nicht für uns und wir uns nicht für sie. Auf dem Schild stand Kessy2, geb. 31.10.2003, ein Mädchen also!

Als wir dann endlich eine Mitarbeiterin des Tierheims ansprechen konnten, sagte sie uns, Kessy sei schon reserviert. Sie sollte ein Zweithund in einer Familie werden. Mir brach es fast das Herz! Ich konnte mich gar nicht von ihr trennen. Auch sie winselte uns hinterher. Also suchten wir weiter. Aber kein anderer Hund gefiel uns so richtig, keiner war wie Kessy. Sollten wir wirklich wieder ohne einen Hund nach Hause fahren?

Eine Tierheim-Mitarbeiterin sprach uns an! Es gebe da „Conny“, eine schon 5-jährige schwarze Hundedame, die sehr lieb sei und dringend ein Zuhause brauche. Ok, dachten wir, geben wir ihr und uns eine Chance. Wir verabredeten, Conny am nächsten Tag zur Probe mit nach Hause zu nehmen. Als wir am nächsten Tag mit ihr unser Haus betraten, trat uns unsere sonst so friedfertige Katze „Franzl“ wie ein Teufel entgegen, schlug, kratzte und biss auf die arme Conny ein! Wir kannten ihn so nicht und mussten ihn immer wieder von der armen Conny trennen. Auch Conny fühlte sich nicht wohl bei uns. Bei einem Spaziergang entschlüpfte sie aus dem Halsband und ich musste sie lange suchen. Der Funke sprang nicht über. So fuhr ich mit ihr zurück ins Tierheim nach Andernach und gab Conny wieder ab.

Traurig wollte ich das Tierheim wieder verlassen, da sprach mich die Tierheimmitarbeiterin vom Vortag an und fragte, wie es uns mit Conny ergangen sei. Wir unterhielten uns lange.

Plötzlich kam eine Frau mit Kessy an der Leine auf uns zu und erzählte, ihr erster Hund habe sich mit Kessy überhaupt nicht vertragen, ähnlich wie unsere Katze mit Conny.

Ich jubelte! War Kessy nun frei für uns? Die Mitarbeiterin schaute in ihre Akten. Niemand sonst hatte Kessy vorgemerkt. Ich war total glücklich und wollte sie direkt mitnehmen, aber das ging nicht. Das Tierheim würde bald schließen und über Nacht durfte ich sie nicht mitnehmen! Ich sollte nächstes Wochenende wiederkommen! Nein! Ich bettelte. Die Mitarbeiterin versprach, eine Ausnahme zu machen! Ich durfte Kessy am folgenden Tag, obwohl es ein Sonntag war, zur Probe mit nach Hause nehmen. Total aufgeregt fuhr ich nach Hause. Dort schärfte ich meinem Kater ein, dass er sich bei Kessy gefälligst zu benehmen habe.

Als Kessy am Sonntag zu uns kam, benahm sich Franzl mustergültig! Kein Fauchen, Beißen oder Kratzen! Es war alles perfekt! Auch für uns und Kessy.

Als wir zurück ins Tierheim kamen, wollte ich sofort alles fertig machen und mit unserem neuen Familienmitglied wieder nach Hause fahren. Aber ich durfte nicht. Unser Haus musste erst überprüft und besichtigt werden. Das sollte eine ganze Woche dauern, da Koblenz so weit weg sei! Das konnte ich nicht aushalten. Ich glaube, ich habe der armen Mitarbeiterin den letzten Nerv geraubt! Schließlich rief sie eine befreundete Tierschützerin in Koblenz an und überredete sie, direkt am Montagabend zu uns zu fahren. Leider musste ich mich also nochmal von Kessy verabschieden und ohne sie nach Hause fahren!

Am Montagabend kam die Frau, begutachtete unser Haus und gab ihr OK. Ich nötigte sie, sofort im Tierheim anzurufen und ihr OK durchzugeben. Dann sprach ich mit dem Tierheim und kündigte an, Kessy direkt am nächsten Tag abzuholen, was ich dann auch tat!

So kam Kessy am Dienstag vor Ostern 2004 in unsere Familie! Sie war nun nicht mehr Kessy2, sondern unsere Nummer 1. In ihrem Pass stand zwar immer Kassandra, aber niemand nannte sie so.

Anfangs hatte sie viele Ängste, die wir mit viel Geduld abbauen konnten. Nur Gewitter und Silvesterraketen hasste sie bis zuletzt.

Sie hatte ihren Job als Büro- und Unihund, da sie mich überall hin begleitete. Einige Jahre später, nach einem Umzug in die Pfalz, half sie mehreren Menschen, ihre Angst vor Hunden zu überwinden.

Auch liebte sie Agility über alles! Wie sie durch den Schlauch oder den Tunnel raste, durch den Reifen sprang oder sich durch die Hürden schlängelte!

Viele Jahre war sie die vierbeinige Schwester unserer Tochter! Sie war immer hungrig und lebensfroh, liebte lange Spaziergänge im Wald und nahm auch unseren Sohn Benedict 2011 ganz selbstverständlich in unser Rudel auf.

Mit 11 Jahren musste sie ihre Lieblingsbeschäftigung Agility allerdings wegen Arthrose in den Füßen und Rückenproblemen aufgeben. Auch das Gehör ließ immer mehr nach.

Nun merkte man ihr ihr Alter schon an, dennoch war sie für ihr Alter fit wie ein Turnschuh.

2018, mit 14 Jahren inzwischen fast taub, kam ihr erster Bandscheibenvorfall im Hals. Sie war links halbseitig gelähmt und wir dachten schon, nun sei es vorbei. Doch dank Osteopathie und der tollen Hilfe in der Tierklinik Wiesloch lief unsere Kessy wieder. Zwar nicht mehr so weit und so schnell wie früher, aber noch immer stets hungrig und voller Freude. Es gab dann immer wieder Tiefpunkte, doch sie war tapfer und rappelte sich immer wieder auf. Und sie genoss alles Positive. Auch ein zweiter Bandscheibenvorfall konnte sie nicht kleinkriegen. Linksseitig zwar immer schwächer, doch sie lief und folgte mir überall hin, auch wenn ich es ihr verboten hatte.

Anfang 2019 wurde dann ein Tumor im rechter Vorderlauf festgestellt. Da keine Heilung in Sicht war, hieß es von nun an, ihr die letzte Zeit mit Schmerzmitteln erträglich und schön zu machen. Und mit gaaanz vielen Leckerlis, Streicheleinheiten und Liebe. Sie beschwerte sich nie!

Doch am 25.06.2019 war die Höchstdosis an Schmerzmitteln erreicht und sie litt trotzdem. Wir entschieden, sie von ihren Schmerzen erlösen zu lassen, verabschiedeten uns von ihr und begleiteten sie bis zum Schluss!

Unsere Kessy war eine ganz tolle, treue Hundeseele! Wir werden sie nie vergessen!

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